Puppen und Kostüme verschmelzen mit Darstellenden
Julie Taymors Bühnenfassung von Disneys Der König der Löwen lebt von einer besonderen Idee: Die Menschen auf er Bühne bleiben sichtbar. Taymor verbindet ihre Körper und Bewegungen mit Kostümen, Masken und Puppen, statt sie hinter einer möglichst naturgetreuen Verkleidung verschwinden zu lassen. Tierische Formen treffen so auf menschlichen Ausdruck – und kunstvolle Gestaltung auf bewegliche Konstruktion.
Die Tierkostüme müssen mehr können als gut aussehen. Sie geben den Tieren ihre Silhouette und lassen gleichzeitig Raum für Tanz, Schauspiel und Puppenführung. Erst wenn Stoffe, Formen und Körperbewegungen zusammenkommen, werden aus den Entwürfen lebendige Bühnenbilder.
Auch beim Puppenspiel setzt die Inszenierung auf Vielfalt: Stabpuppen, Ganzkörperpuppen und Schattenfiguren bringen unterschiedliche Bewegungen und Größen auf die Bühne. Die Menschen, die sie führen, bleiben dabei häufig zu sehen. Das nimmt den Tieren nichts von ihrer Wirkung – vielmehr macht es ihren Bewegungsablauf und das handwerkliche Zusammenspiel erlebbar. Die Kostüme und Puppen sind deshalb keine bloße Ausstattung, sondern ein wesentlicher Teil von Julie Taymors Konzept, das zusammen mit Michael Curry entstand.